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Stunde Null #3 - KARRIEREpfade neu verlegt

Oliver, Henning und Wilbert sprechen über die neuen Anforderungen des Arbeitsmarktes

· Karriere,Bildung,Arbeit,Digitalisierung,Zukunft

In aller Kürze: Lineare bzw. monodirektionale Karriereweg gehören in einem sich stetig ändernden Arbeits- und Anforderungsumfeld bald der Vergangenheit an. Signale, die Aufschluss über die individuelle Qualifikation geben, basieren zunehmend auf Daten und Vernetzung der Person dahinter und immer weniger auf akademischen Titeln. Eine objektivierte Personalauswahl weicht wieder zunehmend subjektiven Kriterien, da zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Empathie an Relevanz gewinnen.

In der 3. Podcast-Folge von „Stunde Null“ setzen Oliver Rößling, Prof. Dr. Henning Vöpel und Wilbert Hirsch die Diskussion zum Thema Bildung fort. Dieses Mal geht es insbesondere um die Karriere. Rößling eröffnet die Diskussionsrunde. Vöpel begrüßt die Schwerpunktsetzung des Themas Bildung.

Rößling zeigt an einem Beispiel, wie er Bewerbungen als Mittelständler beurteilt und welche Faktoren für ihn Ausschlusskriterien sind. Dabei spielt für ihn die Authentizität des Bewerbers eine wesentliche Rolle.

Vöpel greift den Begriff der Authentizität auf. Für die Gesellschaft ist ein Mensch am wertvollsten ist, wenn er authentisch ist, so Vöpel. Hirsch stellt Rößling die Frage, ob der erkennbare Wohlfühlfaktor im Schaffen eines Bewerbers beim Filtern von Bewerbungen für ihn ein Kriterium ist.

Rößling beschreibt daraufhin an einem weiteren Beispiel, dass die Kreativität bei einer Bewerbung durchaus zu einer Einstellung in seiner Firma führen kann. Ein großer Prozentsatz seiner Mitarbeiter hat zudem keinen Abschluss, da für Rößling das Können einen höheren Stellenwert haben kann als beispielsweise ein Hochschulabschluss.

Hier greift Vöpel den Begriff Interesse auf, der soeben von Rößling als eine der wichtigen Kriterien für die Jobqualifikation angesprochen wurde. Er zitiert dazu seinen früheren Schullehrer, der den Begriff Interesse aus der lateinischen Übersetzung veranschaulichte. Vöpel leitet daraus einen Dreiklang aus Interesse, Können und Glück ab.

Hirsch findet im Kontext von Karriere den Zusammenhang von Prägung durch das Elternhaus spannend und wie dies die Bildungschancen beeinflusst. Durch Interesse, so veranschaulicht Hirsch, machen Kinder eigene Erfahrungen und können die eigenen Karrierechancen verbessern, auch wenn sie nicht die Möglichkeiten elterlicher Prägung nutzen können. Auf Vöpels Frage inwieweit die Prägung des Elternhauses unbewussten Zwang auf das musikalische Interesse von Hirsch hatte, beschreibt Hirsch wie er in seiner Kindheit zum Thema Musik gekommen ist.

Vöpel erkennt einen Zusammenhang zwischen Bildung und Karriere und dass unter anderem Erfahrungen und Interesse eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung einer Karriere sein können. Er stellt die Frage, was es eigentlich bedeutet Karriere zu machen. Für Rößling ist Karriere zu machen sehr subjektiv und hängt auch vom sozialen Umfeld ab.

Vöpel hinterfragt den Statusgedanken bei familiären Verhältnissen und ob der Status einer Heirat letztendlich doch wichtiger geworden ist als früher.

Alle Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass besonders das Krankenhaus geprägt ist von einer starken hierarchischen Organisation beziehungsweise diese sogar zwingend erforderlich macht, um schnell wichtige Entscheidungen treffen zu können.

Erfahrungen und Kompetenzen können gegenüber Dritten signalisiert werden und die Gesellschaft muss auf die tatsächliche Erfüllung von Testaten vertrauen können, so Vöpel.

Rößling beschreibt, dass Influencer dadurch Signale setzen, indem sie eine große Anzahl an Followern haben und somit viele Leute beeinflussen. Die klassische Signalling Theorie, beispielsweise schulische Laufbahn und Studienabschluss widerspreche aber dem Phänomen der Influencer, so Rößling. Er fügt hinzu, gesellschaftlicher Impact über soziale Kanäle bringt eine zusätzliche Wertigkeit zusätzlich zum Geld mit sich.

Vöpel beschreibt, wie versucht wird ein positives Signalling zu erzeugen. Hirsch bestätigt, dass positives Signalling funktioniert. Er zeigt auf wie wirksam das erste Bild von jemanden ist, wie Kleidung, Auto und Geld wichtigen Einfluss vermuten lassen. Für Vöpel macht jeder Gebrauch von Signalling.

Rößling spielt mit dem Thema der subjektiven Wahrnehmung und zeigt an Beispielen wie die Wahl seiner Kleidung das Verhalten anderer beeinflusste, wie sie ihm begegnet sind.

Seniorität ist eines der ganz wichtigen Kriterien in etablierten Unternehmen, merkt Vöpel an. So nehmen tradierte Unternehmen nehmen inzwischen Startups ernst.

Rößling und Hirsch führen jeweils ein Beispiel für Signalling auf.

Signale funktionieren für Vöpel aber nur, wenn aus diesen Signale Konventionen gemacht werden.

Rößling stellt fest, dass besonders in den sozialen Netzwerken diejenigen sozusagen abgefeiert werden, die zwar sehr erfolgreich sind, denen man das aber überhaupt nicht ansieht.

Vöpel greift nochmal einen Punkt aus der 1. Podcast-Folge, dass sich die Diskussionsteilnehmer an dem Hype stören, dass das Unkonventionelle in Wahrheit der Übergang zu einer neuen Konvention ist.

Rößling führt an, dass doch eigentlich diejenigen, die Reichtümer beziehungsweise Statussymbole für nebensächlich halten, unkonventionell sind.

Hier stellt sich für Hirsch die Frage, ob dieses Unkonventionelle ein neuer Trend ist. Vöpel stellt die These auf, ob unkonventionell zu sein, die Freiheit ist wirklich authentischer zu sein.

Rößling stellt die Frage, was Vöpel und Hirsch ihren Kindern raten würden, wie sie bei einem Bewerbungsgespräch in einem Konzern auftreten sollten. Rößling hakt bei der Antwort von Hirsch nach, was authentisch zu sein bei einem Bewerbungsgespräch konkret bedeutet.

Authentisch ist für Vöpel, für sich zu überlegen und zu entscheiden, ob es tatsächlich dem eigenen Willen entspricht.

Hirsch würde seinen Kindern empfehlen auch Begeisterung zu zeigen, wenn sie diese wirklich auch haben. Für Vöpel heißt größtmögliche Autonomie im Kontext der Bewerbung, auf das zu warten, was letztendlich glücklich macht.

Sich nicht streng an Konventionen in der Kleidungswahl zu halten kann auch nach seiner eigenen Erfahrung für Rößling zum erfolgreichen Bewerbungsgespräch führen.

Andererseits wird auf Signale bei einer Bewerbung geachtet, wendet Hirsch ein. Er rät daher von negativen Signalen ab, auch wenn diese unkonventionell sind.

Vöpel legt dar, dass es manchen doch leichter fallen mag authentisch zu sein als anderen, deren Situation nicht gewisse Voraussetzungen mit sich bringt.

Hier eine eigene Meinung zu haben, stellt für Rößling einen Wert dar.

Demgegenüber bringt Vöpel den Punkt an, dass vielleicht auch nicht jeder Personalverantwortliche diese Offenheit schätzt.

Rößling hatte bei seinen eigenen Bewerbungen ganz klar schlechtere Chancen aufgrund von Entscheidungen von Personalabtteilungen als bei denen von Chefs. Somit sieht er subjektiv Personalabteilungen kritisch. Außerdem stellt er die Hypothese auf, dass ineffektive und unnötige Meetings in Firmen eine enorme Geldverschwendung darstellen.

Vöpel drängt sich die Frage auf, ob nicht Glück im Zusammenhang von Karriere bedeute auf die richtige Gelegenheit warten zu können.

Hirsch stellt fest, dass die Personalabteilung ihm erst kürzlich bei einer großen Anzahl von Bewerbungsentscheidungen sehr viel Arbeit abgenommen hat.

Vöpel hebt hervor, dass Hirsch und Rößling und ihn selber eine ähnliche Einstellung zusammengeführt hat. Für ihn hängt das nicht von den Startbedingungen ab, sondern wie sich Menschen zueinander verhalten und letztendlich ihre Umgebung wählen.

Rößling hält dies für geeignete abschließende Worte und leitet das Ende der 3. „Stunde Null“ Diskussionsrunde ein.

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