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Stunde Null #2 - BILDUNG neu denken

Oliver, Henning und Wilbert reden über die neuen Anforderungen an den Bildungssektor

· Zukunft,Bildung,Karriere,Digitalisierung,Arbeit

In aller Kürze: Schulsystem und Bildungssektor stehen durch die Digitalisierung vor völlig neuen Herausforderungen, denn die Bildung, wie sie zur Zeiten der Industrialisierung gut und notwendig war, ist nun ein Auslaufmodell. Gefragt sind individuelle Fähigkeiten, Empathie und vor allem Kreativität. Die freie Hirnkapazität mit Fokus auf das Auswendiglernen zu belegen ist in Zeiten von Terabyte-Speichersticks und High-Speed-Internet auf dem Smartphone unnötig mühselig. Die, die in komplexen Entscheidungssituationen die richtigen Informationen herausfiltern und kombinieren können, haben gute Chancen auch künftig auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Brauchen wir im Bildungssektor ein neues Wertegerüst, aus welchem ganz neue Herangehensweisen heranwachsen?

Zu Beginn dieser Podcast-Folge stellen sich die Diskussionsteilnehmer Wilbert Hirsch, Prof. Dr. Henning Vöpel und Oliver Rößling kurz vor.

Anschließend einigen sich alle drei Teilnehmer auf den thematischen Scherpunkt dieser Folge, nämlich das Thema Bildung.

Oliver Rößling schlägt als Einstieg in die Diskussion die Implikation des Themas Bildung auf die Karriere, die die Bildung insbesondere im Rahmen der Digitalisierung auf Organisationsformen und Führungssysteme hat, vor. Er stellt auch gleich die Frage, wie Vöpel und Hirsch das aktuelle Bildungssystem finden.

Für Hirsch als Familienvater scheint auch aus eigenen Erfahrungen die Digitalisierung in den Schulen noch nicht sehr fortgeschritten zu sein.

Rößling knüpft mit einem eigenen Beispiel aus dem Klinikbereich an. Hier wird die Bedienung der Software Excel trotz hohem Bildungsgrad nur sehr oberflächlich ausgeführt. Das Thema Technik werde dabei bewusst oftmals ausgeblendet.

Vöpel stellt auch am Beispiel der Medizin in Frage, inwieweit für einen Arzt ein exzellenter Schulabschluss wie ein 1er-Abitur im Hinblick auf Leidenschaft und Berufung für ein Medizinstudium qualifizierend sei.

Hirsch merkt an, dass er erst vor ganz wenigen Tagen im TV eine Sendung gesehen hat, die das Thema Qualifikation für ein Medizinstudium thematisiert.

Vöpel fügt die Möglichkeit an, mit Hilfe von Big Data und entsprechenden Algorithmen viel leichter zu ermitteln, welche Menschen für welche Berufe besonders geeignet sind.

Rößling vermutet, dass der Numerus Clausus so gerne verwendet wird, da diese am einfachsten und schnellsten zu verwenden ist.

Vöpel kritisiert die Bildungssysteme, jedoch nicht pauschalisierend, weil diese möglicherweise mehr Gefügigkeit und Anschlussfähigkeit als kritisches Denken belohnen, was nicht unbedingt zu erfolgreicheren Menschen führe.

Schließlich bringt Rößling die Einflüsse der Industrialisierung auf das Bildungssystem, was möglicherweise jetzt immer noch in der Bildung verankert ist.

Vöpel verdeutlicht dazu den Aspekt der Industrialisierung.

Jedoch, so Hirsch, werden die Tätigkeiten der Menschen im Rahmen der Industrialisierung bald durch Maschinen übernommen. Er stellt auch fest, dass vor allem auch Fleiß in Schulen beurteilt wird. Fleiß der Menschen werde aber durch die Maschinen in Zukunft immer weniger wichtig werden. Auch das Informationswissen, so Hirsch, ist jetzt schon für uns Menschen nicht mehr so wichtig. Dieses Wissen steht inzwischen jederzeit abrufbar im Internet zur Verfügung.

Rößling thematisiert die Starrheit des gegenwärtigen Bildungssystems.

Vöpel behauptet, dass nicht nur die Bildung, sondern auch der Sozialstaat sehr stark geprägt ist nach der Industrialisierung. Die 3 Säulen, das heißt der durch digitale Innovation sehr stark sich verändernde Arbeitsmarkt, das Bildungssystem und das Sozialsystem, müssen viel stärker integrativ gedacht werden.

Hirsch greift den Punkt von Rößling auf, dass inzwischen reines Faktenwissen weniger wichtig ist als Zusammenhänge zwischen verschiedenen Themen zu erkennen. Er macht am Beispiel des Unterrichtsfaches Latein deutlich, dass es trotzdem noch eine Aufgabe der Schule sein sollte, dass das Lernen an sich erlernt werden kann.

Rößling stellt fest, dass Programmiercode lernen ähnlich wie das Lernen von Latein ist.

Völpel stimmt dem zu und fügt hinzu, dass auch aufgrund von Strukturerkennung und der Fähigkeit Gedanken auszudrücken die Sprachausbildung eine der wichtigsten Dinge überhaupt ist. Zudem sind Latein und Altgriechisch Träger von humanistischer Bildung.

Hirsch beschreibt, dass sich die Mediengewohnheiten sich ändern, indem zum Beispiel zusätzlich zum Fernsehschauen auch noch weitere Medien gleichzeitig genutzt werden.

Dass und Menschen an eine immer komplexer werdende Zukunft überfordere, hält Vöpel für fragwürdig. Die Geschichte und auch Erkenntnisse haben gezeigt, dass sich der Mensch gut an neue Umgebungen und Herausforderungen anpassen kann.

Rößling verweist hierzu auf eine Faustformel. Nach dieser Faustformel ist der Durchschnittsbürger bis zum 35. Lebensjahr aufgeschlossen gegenüber Neuem, danach gibt es aber eher eine ablehnende Haltung.

Hirsch stellt die Frage, welche Veränderung es in Schulen tatsächlich braucht? Er nennt unter anderem Coding, neue Unterrichtsformen oder Multitasking.

Rößling stellt den Begriff „Sozialer Bias“ zur Diskussion. Somit umgeben sich Menschen gerne mit anderen Menschen, die gleiche Interessen und Vorlieben haben.

Vöpel stellt die 2 Methoden der Entscheidungsfindung von Daniel Kahnemann vor, das Anchoring und das Framing.

Alle 3 Diskussionsteilnehmer stellen fest, dass Sie eine ähnliche Lernmethode vor Prüfungen verwendet haben. Vöpel bringt hierzu einen Vergleich mit Big Data und Smart Data, dass der Mensch auf smarte Weise das Wissen selektiert, was er braucht.

Schließlich grenzen Hirsch und Vöpel ihre unterschiedliche Sichtweise der Wichtigkeit von eigenen Erfahrungen ab, unter anderem wie Erfahrungen helfen können, um bestimmte Situationen zu meistern.

Rößling lenkt die Diskussion auf die Frage, welche Schlüsselmomente es im Leben der anderen Diskussionsteilnehmer gab, von denen sie viel mitgenommen haben. Er bringt dazu zuerst zwei Beispiele aus seinem Leben, den Wehrdienst und seinen Aufenthalt in Indien.

Hirsch und Rößling stellen fest, dass differenziert werden muss unter anderem hinsichtlich Zeitgeist und Branche.

Hirsch wirft in die Diskussionsrunde, dass Kindern vermittelt werden sollte, wie wichtig es ist sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. Denn durch Multitasking verursachte Unterbrechungen können sie aus der Fokussierung mit einer Tätigkeit herausreißen.

Wenn die Gesellschaft verlernt sich zu fokussieren und sich auf eine Sache zu konzentrieren, ist das sehr bedauerlich, so Vöpel. Er kritisiert, dass zwar über die Effizienz von Digitalisierung geredet wird, aber nicht über die die Kosten der Digitalisierung, was dadurch verlorengeht für Gesellschaft und Individuum.

Rößling beschreibt einige der neuen Kommunikationsmöglichkeiten und welchen sozialen und gesellschaftlichen Druck diese mit sich bringen.

Vöpel stellt die Frage, ob diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten in einem qualitativen Sinn uns in eine andere Welt befördert haben. Er lenkt die Diskussion wieder konkret auf das Thema Bildung, insbesondere den Bildungsauftrag der Schule. Hirsch sieht für die Zukunft als eine Aufgabe des Bildungssystems, dafür zu sorgen, dass Kinder die Fähigkeiten bekommen, Nachrichten und Informationen möglichst mit Hilfe unterschiedlicher Quellen zu beurteilen zu können.

Vöpel erkennt 3 Schlüsselaufträge von Bildung, das Wahre, Schöne und Gute erkennen zu können.

Rößling greift den Begriff Fake News auf und bringt diesen in Zusammenhang mit dem eigener Bias. Die eigenen Nachrichten im eigenen Netzwerk zu filtern und sein Netzwerk zu kuratieren, diese Aufgabe liegt bei einem selber, so Rößling. Jedoch wissen selbst die Lehrer in der Schule nicht so richtig, wie sie ihr eigenes Netzwerk kuratieren und hier die Nachrichten filtern sollen.

Hirsch greift den humanistischen Gedanken auf, also das Gute, Schöne und Wahre. Vöpel stellt fest, dass Verhaltensökonomen sich zum Beispiel mit der Frage auseinandersetzen, was uns glücklich macht.

Rößling stellt fest, dass die Diskussion gewissermaßen beim Thema Werte angekommen ist. Er bringt dabei die eigene Auseinandersetzung mit Unternehmenswerten.

Vöpel legt dar, dass Disziplin im Leben besonders hilfreich sei und er schlägt vor in der weiteren Diskussion generell von Werten statt von Unternehmenswerten zu sprechen.

Weiterhin teilen Hirsch und Rößling in der Diskussion Erfahrungsbeispiele in Sachen Disziplin. Sie differenzieren hierbei die Begriffe Disziplin, Gruppendisziplin und Selbstdisziplin.

Vöpel findet in dem Zusammenhang schön, den Begriff Kreativität in den Mittelpunkt zu rücken. Denn kreativ zu sein, ist etwas besonders Befriedigendes für den Menschen, so Vöpel.

Hirsch stimmt dem zu. Kreativität ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und nicht nur für die als klassisch kreativ geltende Berufe.

Für Vöpel ist jedoch die Sinngebung des Lebens Bedingung, um Disziplin und Kreativität ausprägen. Sinngebung, Diszplin und Kreativität, bedingen sich gegenseitig, so Hirsch.

Rößling beendet zusammen mit Vöpel und Hirsch die Diskussionsrunde, indem die folgenden Eigenschaften für ein Wertekonstrukt aufgezählt werden: kritisch, pragmatisch, diszipliniert, authentisch, neugierig, naiv und kreativ.

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